
Niederschlagswasser ist grundsätzlich durch atmosphärische Verunreinigungen belastet und nimmt während des Abflussvorganges auf der Oberfläche zusätzliche Stoffe auf. Daher besteht grundsätzlich die Gefahr, dass mit dem Sickerwasser auch Schadstoffe (häufig Schwermetalle) in den Boden und das Grundwasser gelangen. Bei der Versickerung über unterirdische Anlagen ist das Risiko erhöht. Für eine oberirdische Versickerung über die belebte Bodenzone ist indessen in urbanen Gebieten die vorhandene Freifläche häufig nicht ausreichend. Aufgrund des großen Anteils von Verkehrsflächen an der Siedlungsfläche bietet sich die Entsiegelung von Flächen mit geringem Verkehrsaufkommen und niedrigen Geschwindigkeiten an. Daher wurde die Verlagerung der in urbanen Oberflächenabflüssen vorkommenden Schwermetalle in Lysimeter-Versuchen untersucht, und der Stofftransport mit einem Finite-Elemente-Modell für 50-jährigen Betrieb berechnet. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass bei einer derartigen Regenwasserversickerung keine Gefahr für Boden und Grundwasser zu befürchten ist.
Wie die Ergebnisse der Lysimeterversuche und der Simulation gezeigt haben, kam es bei keiner der untersuchten wasserdurchlässigen Bauweisen zu einem Durchbruch der Abflussinhaltsstoffe. Ein Großteil der Abflussinhaltsstoffe lagerte sich bereits in der obersten Deckschicht an. Die sorbierte sorbierte Masse in der Deckschicht mit den besten Rückhalteeigenschaften war nahezu doppelt so hoch wie in der Deckschicht mit den geringsten Rückhalteeigenschaften. Dementsprechend funktionieren die wasserdurchlässigen Straßenbauweisen als Stoffsenke, so dass das Sickerwasser nach der Passage nur noch sehr geringe Stoffkonzentrationen enthält. Allerdings bewirken die hohen Adsorptionskapazitäten, dass die Feststoffkonzentrationen in der Deckschicht die Zuordnungswerte nach ausreichend langer Betriebszeit mehr oder weniger überschreiten können. Aus den Ergebnissen der Simulation konnten die untersuchten Bauweisen anhand der Sickerwasser- und Feststoffkonzentrationen bewertet werden. Als wesentliches Ergebnis ist festzuhalten, dass die untersuchten Bauweisen bei ordnungsgemäßer Ausführung einen ausreichenden Schutz von Boden und Grundwasser vor den Inhaltsstoffen urbaner Oberflächenabflüsse sicherstellen. Diese Schlussfolgerung wird auch durch Untersuchungen von Legret et al. [31] und Balades et al. [32] bestätigt. Trotz des insgesamt sehr hohen Stoffrückhaltevermögens unterschieden sich die untersuchten Bauweisen zum Teil deutlich hinsichtlich der Sickerwasser- und Feststoffkonzentrationen. Insgesamt ergab sich für die Bauweisen hinsichtlich ihrer Eignung als Versickerungsanlage folgende Reihenfolge: Sickerfugenstein > poröser Betonstein > Rasengitterstein.
| Copyright: | © Vulkan-Verlag GmbH | |
| Quelle: | GWF 04/2008 (April 2008) | |
| Seiten: | 10 | |
| Autor: | Dr.-Ing. Stefan Fach Dipl.-Geol Holger Stubbe | |
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Zu den vordringlichen Zielen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie1
(WRRL) gehört das Erreichen eines guten
chemischen und ökologischen Zustands von Oberflächengewässern
und Grundwasserkörpern. Die Richtlinie wird von
den Mitgliedstaaten auf der Ebene der Flussgebietseinheiten
umgesetzt. Dazu waren die Mitgliedstaaten verpflichtet, bis
2009 Bewirtschaftungspläne für ihre Einzugsgebiete sowie
Maßnahmenprogramme für jede Gebietseinheit zu verabschieden.
Die Vorgaben der WRRL wurden in Deutschland
legislativ durch die Siebte Novelle zum Wasserhaushaltsgesetz
und durch Änderung der Landeswassergesetze umgesetzt.
Um das Ziel eines guten chemischen Zustands zu erreichen,
müssen Wasserkörper die Umweltqualitätsnormen2
(UQN) einhalten, die auf EU-Ebene als sog. prioritäre und
prioritär gefährliche Stoffe festgelegt worden sind3.
