Zuviel Wasser in der Wüste: ein Grundwasserphänomen in der nordöstlichen Sahara

In der Region Oued Righ - Souf (El Oued) - Ouargla, Nordost-Algerien (s. Abb. 1), ist seit einigen Jahren ein deutlicher Anstieg der Grundwasseroberfläche zu beobachten. Dieses Phänomen , das auf den ersten Blick für den Außenstehenden nicht unbedingt nachteilig zu sein scheint, hat jedoch inzwischen für den in der Region vorrangig betriebenen Dattelpalmenanbau zunehmend kritische, örtlich bereits katastrophale Auswirkungen.

In den am Nordrand der Sahara liegenden algerischen Oasen Ouargla, Ziban, El Oued (Souf) „ertrinken“ die dort befindlichen Dattel-Palmen-Plantagen wegen eines während der letzten 30 Jahre zunehmenden Anstiegs der Grundwasseroberfläche. Aufgrund von in der Groß-Oase El Oued im Mai 2000 durchgeführten Recherchen wurden die Ursachen festgestellt: Es handelt sich primär nicht um ein geogen-hydrogeologisches, sondern um ein rein anthropogenes Phänomen!
 
• Durch eine völlig unkontrollierte (nicht bewirtschaftete) Entnahme von riesigen Mengen von Grundwasser im wesentlichen für Bewässerungszwecke aus tieferen Grundwasserstockwerken wird das oberste Grundwasserstockwerk „überfüllt“. Wegen wenig wasserwegsamer, toniger Zwischenschichten ist ein rasches Rücksickern des abgepumpten Wassers in tiefere Bereiche nicht möglich. Die Situation ist vergleichbar mit einer Badewanne, in die laufend mehr Wasser eingefüllt wird als durch den engen Abfluß ablaufen kann.
• Durch Abwässer und wilde Abfallablagerungen erfolgt eine zunehmende und zunehmend gefährlicher werdende Verschmutzung des obersten, z.T. schon freiliegenden Grundwasserhorizontes. Die nur teilweise gesammelten Abwässer (7000 m3/Tag) werden völlig unbehandelt zusammen mit über Dränagen erfaßtem Oberflächenwasser (ebenfalls etwa 7000 m3/Tag) am Stadtrand ungenutzt in die Wüste abgepumpt.
 
Die Konsequenz: Die außerordentlich bedeutsamen Grundwasserreserven des „Complexe Terminal“ (Unteres Pont) und des „Continentale Intercalaire“ (Albien) werden gnadenlos ausgebeutet und sind z. T. bereits kontaminiert. Neben einer Wasserbewirtschaftung ist das vordringliche Problem die Sanierung und Erweiterung der Abwassererfassung. Das in die Wüste abgeleitete Wasser (14000 m3/Tag sollte unbedingt die Anlage von forstwirtschaftlichen und/oder landwirtschaftlichen Projekten genutzt werden.



Copyright: © Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH
Quelle: Wasser und Abfall 2001 (Januar 2001)
Seiten: 10
Preis inkl. MwSt.: € 10,90
Autor: Prof. Dr. Hansjörg Oeltzschner

Artikel weiterleiten In den Warenkorb legen Artikel kommentieren


Diese Fachartikel könnten Sie auch interessieren:

Strategien und Maßnahmen zur Sanierung des Wasserhaushalts in den sächsischen Bergbaufolgelandschaften
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (4/2023)
Innerhalb des Freistaates Sachsen befinden sich zwei Braunkohlereviere, das Lausitzer Braunkohlerevier sowie das Mitteldeutsche Braunkohlerevier (Bild 1). Im Detail sind die hydrologischen, geologischen und technischen Verhältnisse in den beiden Revieren unterschiedlich. Die wasserwirtschaftlichen Herausforderungen ähneln sich jedoch und sind auch gleichzeitig zu bewältigen.

Leuchtturmprojekt der wassersensitiven Stadtgestaltung in Mannheim
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (3/2023)
Wassersensitive Stadtgestaltung (Water Sensitive Urban Design: kurz WSUD) ist ein Thema, über das in Deutschland eher wenig gesprochen wird, obwohl in den letzten Jahren durch die spürbaren Folgen des Klimawandels bereits ein gesteigertes Bewusstsein für das Thema Wasser im Kontext von Stadtgestaltung entstanden ist. WSUD ist jedoch als planerische Disziplin ein effektives Werkzeug der klimaresilienten Stadtplanung, das unsere urbanen Wasserkreisläufe an den lokalen Kontext anpasst.

Verbesserung der Trinkwasserversorgung im Katastrophenfall in Kamerun
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (5/2022)
Aufgrund ihrer geographischen Lage und meteorologischen Verhältnisse sind Teile Kameruns regelmäßigen Überschwemmungen ausgesetzt. Ein Deutsch-Kamerunisches Konsortium entwickelt hier u. a. Maßnahmen zur Hochwasservorsorge und -bewältigung sowie zur Versorgung mit sauberem Trinkwasser im Hochwasserfall. Dabei kommen innovative Methoden der Fernerkundung zum Einsatz, kombiniert mit einer Weiterentwicklung von Monitoring- und Betreiberkonzepten für eine eigenverantwortliche Verwaltung der Trinkwasseraufbereitungsanlagen zur Notwasserversorgung in den Projektgebieten.

Auswirkungen des Klimawandels auf Wasserbedarf und -dargebot
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (11/2021)
Diese Studie nutzt 70 Klima-Wasserhaushaltssimulationen auf der Ein-Kilometer-Skala unter zwei Klimaszenarien für Deutschland. Klimawandel führt zu länger anhaltenden Hitzeperioden, so dass Wasserbedarf und Spitzenwasserabgaben zukünftig steigen werden. Die Grundwasserneubildung nimmt mit zunehmender Erwärmung im Median in Deutschland zu. Während die Veränderungen im Klimaschutzszenario moderat sind und sich zur Mitte des Jahrhunderts stabilisieren, nehmen sowohl Grundwasserneubildung als auch Hitzeindikatoren im Weiter-so-wie-bisher-Szenario bis zum Ende des Jahrhunderts weiter zu.

Lösungsansätze für Klimawandel bedingte Herausforderungen in der Trinkwasserversorgung
© Springer Vieweg | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (11/2021)
Um Klimawandel bedingten Herausforderungen in der Trinkwasserversorgung begegnen und effiziente sowie nachhaltige Lösungen entwickeln zu können, stehen aktuelles Fachwissen und innovative Verfahren zur Verfügung. Damit diese in praxistaugliche und flächendeckende Anwendungen überführt werden können, bedarf es Transferleistungen von der Wissenschaft in die Praxis. Der Handlungsdruck ist hoch, aktives Handeln dringend geboten. Es sind Entscheidungen zu treffen, die mit hohen Investitionen verbunden sind und lange in die Zukunft wirken. Diese sind von allen Beteiligten und Verantwortlichen mitzutragen und sie erlauben keinen Aufschub.

Name:

Passwort:

 Angemeldet bleiben

Passwort vergessen?

Der ASK Wissenspool
 
Mit Klick auf die jüngste Ausgabe des Content -Partners zeigt sich das gesamte Angebot des Partners
 

Selbst Partner werden?
 
Dann interessiert Sie sicher das ASK win - win Prinzip:
 
ASK stellt kostenlos die Abwicklungs- und Marketingplattform - die Partner stellen den Content.
 
Umsätze werden im Verhältnis 30 zu 70 (70% für den Content Partner) geteilt.
 

Neu in ASK? Dann gleich registrieren und Vorteile nutzen...